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Ringvorlesung Datenschutz

[This course is directed to local German audience and thus entirely in German.]

Entsprechender Eintrag im Studium Universale der Uni Bonn.

Ausrichter

Prof. Dr. Joachim von zur Gathen,
Prof. Alexander Markowetz, PhD

Zeit & Ort

Inhalt

Diese Ringvorlesung widmet sich dem Datenschutz, einem brisanten, jedoch relativ jungen Thema. In der Tat beschränkt sich der politische Diskurs bezüglich des Umgangs mit unseren Daten fast gänzlich auf die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Deutschland war mit dem weltweit ersten Datenschutzgesetz wegweisend, und in kaum einem anderen Land wurde das Thema ähnlich vehement diskutiert. Nach Rasterfahndung, Volkszählung und Lauschangriff scheint die Debatte jedoch stark abgeflaut. Erst in den letzten Jahren ist der Datenschutz wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Zum einen erhob der Staat mehr Daten als je zuvor (z.B. durch Toll Collect) und gab diese im „Krieg gegen den Terror“ an fremde Regierungen weiter (z. B. Flug- und Bankdaten). Zum anderen haben mehrere Großunternehmen die Daten ihrer Kunden und Angestellten grob missbraucht. Die öffentliche Reaktion fiel eindeutig, jedoch relativ verhalten aus. Im Vergleich zu den 80er Jahren hätte man einen weitaus grösseren Aufschrei erwarten können. Dies ist umso verwunderlicher, als die heutigen Möglichkeiten der automatisierten Überwachung diejenigen vergangener Jahrzehnte weit in den Schatten stellen.

Der Diskurs um den Datenschutz ist jedoch weder eingeschlafen noch tot. Vielmehr befinden wir uns in einer Phase relativer Ruhe, die nicht weniger andeutet als einen bevorstehenden Sturm. Ein Großteil unseres Lebens, vom Gang zum Supermarkt über unseren Musikgenuss bis zu den Urlaubsplänen wird in Form elektronischer Daten erfasst, die sämtlich zu Missbrauch einladen. Diese Situation wird sich in absehbarer Zeit durch soziale Websites (Facebook, StudiVZ) und den Einsatz von RFID-Chips in alltäglichen Gegenständen nochmals verschärfen.

Einleuchtende Gründe zum Sammeln von Daten gibt es genug. Zum Beispiel können Online-Shops bessere Kaufempfehlungen abgeben, wenn sie sich an unsere bisherigen Einkäufe erinnern. Ebenso kann die Vergabe inkompatibler Medikamente durch verschiedene Ärzte mit einer zentrale Patientenkartei verhindert werden. Nicht zuletzt benötigt man umfassende Daten, um Terroristen zu stellen und ihre Geldquellen auszutrocknen. Doch wie weit tragen diese nachvollziehbaren Aspekte? Und wo beginnen sie, andere legitime Interessen zu berühren? Wie weit schützt zum Beispiel eine geheimdienstliche Datensammlung unsere Freiheit? Und ab wann wird aus ihr ein Korsett, das genau diese Freiheit beschneidet? Unsere Gesellschaft steht vor der Aufgabe, einen belastbaren Standpunkt innerhalb dieses Spannungsfeldes einzunehmen. Diese Meinungsbildung geschieht durch ein Kräftemessen von Vertretern kommerzieller und sicherheitspolitischer Interessen einerseits, und einer liberalen Zivilgesellschaft auf der anderen Seite.

Unglücklicherweise ist die Zivilgesellschaft für den anstehenden Schlagabtausch mit den „Überwachern“ nur unzureichend gerüstet. Es fehlt vielfach noch an Problembewusstsein, denn „ich habe ja nichts zu verbergen“. Vor allem aber fällt es schwer, abstrakte Begriffe wie „informationelle Selbstbestimmung“ mit konkreten und anschaulichen Inhalten zu füllen. Der Gesetzgeber war an dieser Stelle leider nur mäßig hilfreich. Er verhält sich rein reaktiv und begegnet  auftretenden Missständen nur zögernd und mit kleinen Maßnahmen, weit über die deutsche Gesetzeslandschaft verstreut. Ein zielführendes Leitbild lässt sich nur schwer erkennen.

In dieser Ringvorlesung erlauben wir uns, von dem Tagesgeschäft zurückzutreten und die Skandale der letzten Jahre außer Acht zu lassen. Stattdessen soll der Versuch unternommen werden, einen Entwurf eines würdigen Lebens zu konstruieren, von dem sich Handlungsrichtlinien bezüglich des Umgangs mit unseren Nächsten ableiten lassen, insbesondere auch mit deren Daten. Letztendlich geht es um die Vision eines umfassenden Datenschutzes als einer Art sozialem Umweltschutz. Die Vorlesung erstreckt sich auf die Monate November bis inklusive Februar und findet jeweils donnerstags um 19:30 im großen Hörsaal des b-it statt. Die Veranstaltung richtet sich an eine breite Öffentlichkeit ohne technische oder juristische Vorbildung.

Termine

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